Das ist das Wort Gottes an uns heute aus Anlass der Dürre: 
Die Welt trauert, und ihre Tore sind verfallen, trauernd sind sie zu Boden gesunken, und die Schreie steigen empor, aus Zeitungen, Nachrichten und Social Media.
Die Regierung der Vereinigten Staaten schickt ihre Armee in den Nahen Osten und Australien ihre Feuerwehren in den brennenden Busch. Menschen kommen zu den Flüssen und ans Meer und finden Plastik! So viele Fische sind gestorben, der Rest ist abgefischt sie kehren zurück, ihre Körbe sind leer, so etwas das haben selbst sie noch nie erlebt! Der Acker ist im Sommer voller Risse. Weil kein Regen auf das Land fiel, bleibt die Ernte aus, und auch die Bauern sind unglücklich. So heiß wie das letzte war kein Jahrzehnt zuvor. Von fern und nah, tönt der Zorn, digital und analog. Shit-Storm, Beleidigungen, Wut. Man ist sich selbst am nächsten. Präsidenten inbegriffen. Fäuste zwingen Menschen in die Knie. Raketen gehen irre und reißen Menschen aus einem Flugzeug in den Tod. Hitzig geht es zu auf dieser Welt. Menschen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Nach den Nachrichten stehen sie wie die Schakale auf kahlen Höhen und schnappen nach Luft, denn es ist kein Kraut gegen diese Hitze gewachsen. (frei adaptiert nach Jer 14,1-7«)

»Gott, Du, Hoffnung der Welt, sei Retter in der Zeit der Not! Warum bist du wie ein Fremder im Land und wie ein Wanderer, der einkehrt, nur um zu übernachten? Warum bist du wie ein Hilfloser, wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist doch in unserer Mitte, Gott, und dein Name ist ausgerufen über uns! Verlass uns nicht!« (Jer 14,8-9)

So oder so ähnlich würde es wohl klingen, wenn Jeremia heute an den ersten Tagen und Wochen der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts zu uns sprechen würde.
Denn auch heute herrscht Dürre auf dieser Welt. Einerseits ganz konkret, wie wir es gerade in Australien in einem selten dagewesenen Ausmaß erleben und andererseits im übertragenen Sinn: Wenn man sich so umschaut, scheinen verschiedenste Bereiche des öffentlichen Lebens zu verdorren. Die Pflänzchen des »guten Miteinanders« haben es nicht gerade leicht in unserer Zeit, ebenso die Pflänzchen der »Nachsicht«, die Pflänzchen der »Offenheit für andere«, die Pflänzchen des »Kompromisses« und des »Friedens«, die Pflänzchen der »Zufriedenheit«, die Pflänzchen der »Freude«, die Pflänzchen der »Mitmenschlichkeit«, die Pflänzchen der »Besonnenheit«, wie auch die Pflänzchen der »Liebe«!
All das sind Pflanzen die dem Leben Farbe geben und die die manchmal so karg und rau wirkende Welt mit ihrem hoffnungsvollen grünen Flor verändern können. Liebe, Nachsicht und Mitmenschlichkeit sind Pflänzchen, die das Leben lebenswert machen, die dem Leben eine besondere Schönheit verleihen können und die man schnell vermisst, wo sie nicht mehr wachsen. Das kennt jeder.
Jetzt im Januar steht einem das besonders vor Augen. Wo man auch hinschaut sieht man graue und braune Töne, karge Bäume, blanke Äste, bloße Rinde. Wenn man jetzt durch den Wald streift, findet man kaum ein frisches Pflänzchen. Alles hat sich jetzt zurückgezogen, nur die Moose nutzen jetzt den Freiraum, den die anderen Pflanzen ihnen lassen und breiten ihren Teppich aus. Alles zugedeckt! Die fröhlich bunte Welt der Pflanzen ruht jetzt im Januar. Oh wäre da doch wenigstens der Schmuck der Weihnachtszeit, der jedes Jahr wieder im Dezember uns erfreut und die karge Welt in freundliches Glitzern taucht. Aber auch dieser Glanz ist verschwunden. Erst vorgestern wurden die abgeschmückten Weihnachtsbäume hier in Medingen von den Straßenrändern abgeholt. Was bleibt? Eine winterlich graue Welt? Alltag? Was kann diesen Tagen Glanz verleihen, wenn selbst der Schnee auf sich warten lässt?

Zu Beginn jeden Jahres treibt uns Menschen die Sehnsucht um, dass dieses neue Jahr etwas ganz besonderes werden möge, dass dieses neue Jahr ein besonderer Glanz umgeben möge und kein grauer Alltag, dass keine Kargheit seiner Schönheit etwas anhaben könnte – vielleicht weil ein besonderes Ereignis ansteht, ein Jubiläum zum Beispiel, oder ein besonderes privates Fest. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil mir das letzte Jahr an so vielen Stellen seine raue Seite gezeigt hat und ich mich nach Frieden, Gesundheit und Zufriedenheit sehne. Wer kennt nicht diese Sehnsucht zu Beginn eines Jahres, dass dieses neue Jahr zu keiner Zeit karg und ungemütlich werden möge. Und vielleicht haben auch Sie wie viele andere diese Hoffnung in der Silvesternacht mit einem Ritual zu untermauern versucht. Mit Glückskeksen, Horoskopen oder Bleigießen zum Beispiel, bzw. Wachsgießen, das ja die nicht so gesunde Variante des Bleigießens mittlerweile abgelöst hat. Auch, wenn wir insgeheim wissen, dass diese Formen des Orakels nicht wirklich unsere Zukunft voraussagen, so wünschen wir uns durch sie die sichere Zusage zu erhalten, dass da nun ein ganz besonders schönes Jahr auf uns wartet: Ein Jahr, das im besten Falle wie ein einziger Frühling sein wird, das zu keiner Zeit karg und ungemütlich wird, in dem es keine Schreckensmeldungen geben wird, weder in den Nachrichten, noch im eigenen Haus.
Als vor 19 Tagen das neue Jahrzehnt seine ersten Stunden über uns ausstreckte, trug mich – wie jedes Jahr – noch der Schwung dieser hoffnungsvollen Sehnsucht durch den Neujahrstag. Doch schnell verflog der erhoffte Glanz vor meinen Augen, als die Nachrichten mir in den ersten Tagen des neuen Jahres wieder sehr deutlich die karge und raue Seite dieser Welt vor Augen stellten:
Ein aufkeimender Krieg in der Golfregion. Ein versehentlich abgeschossenes Passagierflugzeug in Teheran mit unzähligen Toten. Eine Feuersprunst die gewaltige Gebiete des australischen Kontinents zerstört und Morddrohungen gegen diejenigen, die sich um Humanität bemühen, wie gegen den Ratspräsidenten der EKD.
Es brauchte nur ein paar wenige Tage, bis das noch unberührte neue Jahr von allen Widrigkeiten dieser Welt wieder berührt wurde, bis die hoffnungsvolle Sehnsucht des Neujahrstages von einem friedlicheren und fröhlicheren 2020 erste Risse bekam. »Weiter gehts…wie bisher….« mag einem da nach dem ersten halben Monat des neuen Jahrzehnts durch den Kopf gehen. Und statt dem ersehnten hoffnungsvollem grünen Flor jener humanitären Pflänzchen, statt »gutem Miteinander«, »Zufriedenheit« und »Frieden«, statt »Mitmenschlichkeit«, »Besonnenheit« und »Liebe«, zeigt sich dann doch wieder das karge Geäst dieses Lebens. Die raue Rinde dieser Welt und wir scheinen wieder einmal auf dem harten Boden der Tatsachen zurück zu bleiben.

»Gott, Du, Hoffnung der Welt, sei Retter in der Zeit der Not! Warum bist du wie ein Fremder im Land und wie ein Wanderer, der einkehrt, nur um zu übernachten? Warum bist du wie ein Hilfloser, wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist doch in unserer Mitte, Gott, und dein Name ist ausgerufen über uns! Verlass uns nicht!« (Jer 14,8-9)

So ruft Jeremia sehnsuchtsvoll in seiner Zeit angesichts der ganzen Probleme nach Gott um Hilfe. Und ca. 27 Jahrhunderte später? – hat sich daran nur wenig geändert. Auch jetzt möchte ich manches Mal um Hilfe rufen, wenn um 20:15 Uhr die Schlussfanfare der Tagesschau ertönt. Wenn sich wieder einmal dieses triste Gefühl einschleicht. Irgendwie wird es nie besser. Irgendjemand muss doch etwas tun gegen diese ganzen Entwicklungen in dieser Welt. Irgendjemand muss doch etwas dagegen machen können, dass jedes Jahr, jedes Jahrzehnt wieder mit den gleich schrecklichen Nachrichten beginnt.

Wo bist Du Gott in dieser Welt,
in der der Mensch
dem Menschen sich entgegenstellt?!
In der das zarte grüne Kleid,
von Frieden, Liebe, Freundlichkeit,
verdorrt in aller Hitzigkeit!
Wo Brände hier und da entsteh’n,
weil Mensch und Mensch
sich gegenseitig nicht mehr seh’n.
Wo nicht mehr leitet,
was uns alle hier erhält…
Wo bist Du Gott in dieser Welt?!

Gerade erst haben wir doch Weihnachten gefeiert. Haben diese wundervolle Botschaft gehört, dass Gott hier in unserer Welt zu finden ist. Als Kind in einer Krippe liegend. Da tönte die geschmückte und glitzernde Welt um uns herum nur so von dieser »Guten Nachricht«: Gott ist da und alles wird gut!
Wo ist Gott also nun? Anfang 2020? Ist Jeremia, sind wir alle heute Gott verlassen?

Fast will man meinen »Ja«, wenn man von diesem ganzen Leid hört das Jeremia aufzählt. Fast will man meinen »Ja«, wenn man von der Menge an Leid hört, die schon in den ersten Tagen von 2020 geschehen ist.
Aber wenn man genau hinschaut, dann lässt sich Gott tatsächlich finden, trotz der ganzen schlechten Nachrichten. Undzwar an einer Stelle an der Gott so deutlich da ist, dass man ihn fast übersieht:

Nämlich dort, wo er für Jeremia und auch für jeden von uns heute, auf all dieses Leid ansprechbar ist und mich damit davon abhält, gänzlich zu desillusionieren. Denn der Glaube daran, dass Gott diese Welt anders gewollt hat – der Glaube daran, dass Gott diese Welt weder karg noch hart geplant hat, weil er uns die Fähigkeit mitgegeben hat mit Liebe, Besonnenheit, und Herzlichkeit zu reagieren und Frieden zu schaffen – dieser Glaube lässt einen nicht verzweifeln! Es sind Christinnen und Christen, die im Laufe der Jahrhunderte eben nicht an den immer wiederkehrenden schlechten Nachrichten verzweifelt sind, weil sie mit Gott jemanden hatten, der sie davon abhielt zu desillusionieren. Weil sie mit Gott jemanden hatten, dem sie alles Leid klagen konnten, mit dem Sie darum ringen konnten, warum es dieses Leid überhaupt geben muss, und der ihnen Hoffnung machte, dass es Wege gibt, mit denen Leid überwunden werden kann. Gott ist das beste Mittel gegen Desillusioniertheit, gegen jede Tristess und alle Kargheit, die mir manchmal den Weg durch das Jahr so schwer machen kann.
Denn Gott… hat die Kraft selbst durch die härteste und ausgemärgeltste Erdkruste zarte Pflanzen wachsen zu lassen. Pflänzchen die dieser Welt einen hoffnungsvollen grünen Flor verleihen und Zeichen sind gegen alle Härte, die es zweifelsohne auf dieser Welt gibt!

Und so wundert es einen nicht, wenn man dann – selbst im Januar – auf dem Spaziergang durch den wintergrauen und kargen Wald, plötzlich vor einem kleinen strahlend weißen Blümchen steht, das inmitten aller Kargheit von der Schönheit dieser Welt erzählt. Und wie passend und verdient, dass diese Blume, den Namen »Christrose« trägt.

»Du bist doch in unserer Mitte, Gott, und dein Name ist ausgerufen über uns! Verlass uns nicht! (Jer 14,9)

1 Kommentar

  1. Irene

    Oh, ja, wie wahr! Jesus ist hier und er hat uns ja versprochen, ich bin bei Euch, bis.,,,,.,,,!

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