Wer bist Du?
Schminkst du gerne Deine Lippen?
Isst du gerne weißen Fisch? 
Arbeitest du oft mit Menschen, 
bist du fröhlich, grad’ verliebt?
Ist Genauigkeit dir wichtig?
Liebst du Kreativität? 
Bist du 34, oder 70,
eher ruhig oder bewegt?
Fährst du gerne mit dem Fahrrad?
Hast du Kinder 1, 2, 3?
Trinkst gern Kaffee, schwarz, mit Freunden. 
Isst nur selten mal ein Ei?
Liebst Du es wie wild zu tanzen,
im geblümten Sommerkleid?
Pflegst Du gerne Deine Pflanzen?
Bist für Menschen da, in Freud und Leid?

Wer ich auch bin,
ich bin ein Mensch!
Bin ein Vater, Freund und Bruder,
Konsument und Zeitvertreiber,
fang hier an und mach dort weiter.
Bin ein Mensch, facettenreich!

Gut gefüllt, ist so ein Leben
muss mal hier-, mal danach streben
hab mal dies mal das zu tun.
Würd so gern auch manchmal ruh’n
…und trotzdem viele Dinge tun.
Ja so geht`s mit diesem Leben, 
das als Freiraum mir gegeben,
einst als ich geboren wurde.
Jahr für Jahr wird diesem Leben
noch etwas dazu gegeben,
bis der Freiraum zugestellt.
Doch wenn wir auch Freiraum suchen,
„zur Freiheit ist der Mensch berufen“,
so hat Paulus es beschrieben.
„Es ist die Freiheit die wir lieben“,
weil sie uns mit unser’m Leben,
schon vom Anfang mitgegeben.
Doch wie mache ich mich frei,
n dem täglich Einerlei,
frei die angefüllten Räume,
damit Platz ist… Platz für Träume –
Platz zum Sein und Platz zum Werden,
Platz für das, was mich erfüllt?
(Autor: Johannes Luck)

 

Dies wird hier nun ausgeführt:

 

Liebe Gemeinde,

Am Anfang, ganz am Anfang eines jeden Lebens liegt ein großer Freiraum vor einem Menschen. Jahre, Wochen, Tage laden zum Gestalten ein. Was da gestaltet wird, steht noch nicht fest. Es darf noch werden und es darf sich ergeben. Wie ein Kleinkind ein Bild gestaltet, so gestaltet es auch sein Leben. Das was ihm in den Sinn kommt, was es erlebt und an anderen beobachtet, das treibt es in seinem Malen an. Es beginnt zu Zeichnen, bunte Farben werden auf das Papier gemalt. Ein gemalter Apfel wird schnell um Weiteres ergänzt. Und am Ende fährt ein Auto gepaart mit bunten noch zu deutenden Strichen auf einem Kochtopf am besagten Apfel vorbei, auf dem ein Eichhörnchen Platz genommen hat, das wiederum eine Möhre in der Schnauze hat. Da entsteht etwas in aller Freiheit. Noch gibt es keine festen klaren Bilder, noch herrscht die Freiheit über den Menschen. Doch mit jedem Jahr kommen immer klarere Bilder zustande. Bilder, die uns Menschen helfen, unser Leben zu verstehen, unser Leben zu bestreiten und etwas in unserem Leben in Gang zu bringen. Wir lernen und begreifen – nicht nur, dass Eichhörnchen keine Möhren essen und Autos nicht auf Kochtöpfen fahren, sondern wie sich das Leben strukturieren lässt. Fast unbemerkt entsteht ein Raster, auf dem weißen Blatt Papier unseres Lebens. Ein Raster, in das sich alles fein säuberlich einteilen lässt. Man könnte auch sagen: Wir stellen Kisten in unserem Lebensraum auf. Kisten, die diesen großen Freiraum Leben strukturieren, in die ich Dinge ablegen kann, um sie dann im passenden Moment zu verwenden. Eine Kiste mit wichtigem Grundwissen zum Beispiel: Mit dem EinmalEins, Prozentrechnung, mit Sprache, Grammatik und Englisch-Vokabeln, mit Wissen vom alten Rom und Ägypten, Wissen über den Ort und das Land in dem wir wohnen. In einer anderen Kiste, liegen die Erfahrungen, die wir mit anderen Menschen machen: Mit unseren Eltern, mit anderen Kindern, anderen Erwachsenen. In der nächsten Kiste verbergen sich die Erfahrungen, die wir mit der Liebe machen. Mit Partnerschaft und Leidenschaft. Immer mehr Kisten kommen im Laufe unseres Lebens hinzu. Kisten mit vertrauten Abläufen, Kisten mit vertrauten Orten, Kisten mit liebgewonnenen Gewohnheiten und Kisten, in denen nur gewohnte Gewohnheiten liegen. Kisten mit wichtigen Dingen und Kisten mit weniger wichtigen Dingen und Kisten mit überflüssigen Dingen. Jeder, der in ein Haus zieht kennt diesen Effekt. Am Anfang hat man viele freie Räume, die man füllen kann und oft gibt es nach dem Umzug immer noch hier und da freie Räume. Doch mit den Jahren füllen sich auch diese Freiräume mit unterschiedlichsten Kisten und Dingen. Und plötzlich… wird es eng. Kein Freiraum ist mehr übrig. Und man bekommt den Drang, endlich einmal aufzuräumen, zu sortieren und zu entrümpeln. Denn vieles von dem, was die Freiräume bevölkert, liegt oft einfach nur rum. Hat keine Funktion mehr, sondern verweilt in Kisten. Manch einer kennt dieses Gefühl, dass man durch zu vollgeräumte Räume zu ersticken droht – einfach kein Freiraum mehr da, kein Raum für freie Bewegung, kein Raum für Freiheit, für etwas anders, für Überraschungen und unerwartete Veränderungen im Leben. Für all das, was das Leben als junger Mensch so spannend hat sein lassen. Als Kind und auch Jugendliche, da gab es noch viele ungefüllte Räume: Platz zum Austoben. Platz eben für die besagten Überraschungen. Platz für das, was einem das Leben einfach so beschert, ohne lange Vorüberlegungen, ohne Abwägen. Diese Freiräume sind es, die von der unbeschwerten Jugendzeit erzählen, von Freiheit, unverstellter, unvollgestellter Freiheit, vom Treibenlassen und vom Entdecken, vom Mut auch mal woanders zu landen als geplant- aber natürlich auch von der Angst den Weg nicht zu finden. Auch das bedeutet Freiheit: Den Raum bewusst und je nach Situation selbst füllen zu müssen. Wessen Räume vollgestellt sind, der bzw. die muss auch nicht fürchten, dass der Raum nachher anders aussieht als gedacht. Aber wer sich in Freiräumen bewegt, der hat Platz Neues zu entdecken, sich von Unbekanntem verzaubern zu lassen und auch das Vertraute auf neue Weise lieben und vielleicht auch verstehen zu lernen. Freiräume sind Ort zum Träumen. Und sind es nicht gerade die Kinder – die mit den größten Freiräumen – die wir darum beneiden, dass sie ihre Träume leben – zumindest in der Phantasie? 

Sicher, eine Erwachsene braucht manche Kisten in ihrem Lebensraum, die mit dem Grundwissen zum Beispiel, die hilft mir dabei täglich durchs Leben zu kommen, Einkommenssteuererklärungen abzugeben, meinen Beruf auszuüben. Und die Kiste mit Liebeserfahrungen, die kann mir helfen eine lebenslange Beziehung zu führen. Wer Verantwortung in seinem Leben übernimmt, für eine Beziehung, für Kinder oder auch in seinem Beruf, der braucht gewisse Kisten in seinem Lebensraum. Aber sollte ich jeden freien Raum damit zustellen, keine Unsicherheit mehr zulassen, mich in absoluter Sicherheit wiegen? Geht das überhaupt? Oder bedeutet das vor allem eines: nämlich Unbeweglichkeit und Enge?

Freiräume lassen zu. Sie lassen Weite zu in meinem Leben, bieten Raum für andere Menschen, für neue Gedanken und… für das Wesentliche im Leben. 

Denn für das Wesentliche im Leben haben wir – und ich denke das Gefühl kennt ihr wie ich . für das Wesentliche im Leben haben wir meistens viel zu wenig Zeit oder auch Raum. „Leben ist das, was passiert, während du eifrig damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen“ sagte der britische Musiker John Lennon. Leben lässt sich nicht voll planen, es lässt sich grob rastern und mit Zukunftsplänen versehen. Aber es geschieht, dort wo Freiräume sind. Es ist der Geist Gottes, der nach christlichen Verständnis, Leben in diese Welt bringt. Dieser Geist, dieses lebendige Feuer pulsiert in jedem von uns, in jedem Menschen, jedem Tier, in jedem Organ und jeder einzelnen Zelle: Da ist Gott zu finden! Gott pulsiert als Leben durch und in dieser Welt. Gott ist ein belebender Geist, der in uns wirkt. Dieser Geist füllt die Freiräume dieser Welt mit Leben und das manchmal auch ganz konkret: Dort wo zum Beispiel in einem Moment völlig unerwartet zwischen zwei Menschen Liebe entsteht. Dort wo Menschen, die gegenseitig im Streit liegen, sich am Grab eines geliebten Menschen gegenseitig in den Arm nehmen, oder dort wo Menschen der Bedeutung von Freiheit in ihrem Leben nachspüren.

Freiräume sind Lebensräume. Und es ist der Reformationstag, der uns dazu einlädt, uns diese besondere Bedeutung von Freiheit für unser Leben bewusst zu machen – sozusagen einfach mal „frei“ zu machen. Wie schön, dass wir diesen Tag also nun tatsächlich als einen dauerhaften „freien“ Tag in Niedersachsen geschenkt bekommen haben. Einen Tag für die Freiheit! Einen Freiraum! Einen Lebensraum! 

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