Die Route wird berechnet | Ziel: Gott unter den Menschen | Folgen Sie auf den nächsten Kilometern dem Stern | Achtung! Die Route enthält Störungen | Alternativrouten nicht vorhanden.

Gut, wahrscheinlich gab es keine solche Ansagen, als über den Männern, die die christliche Tradition als Könige oder Weise bezeichnet, vor über 2000 Jahren dieser besondere Stern erschienen ist. Aber die Funktion dieses Stern erinnert schon ein wenig an die Navigationsgeräte, die an der Windschutzscheibe oder der Armatur angebracht uns den Weg zum gewünschten Ziel weisen. Und mittlerweile finden sich Navis ja nicht mehr nur ausschließlich im Auto. Das eigene Smartphone weißt einem, wenn man möchte, auch zu Fuß und durch den öffentlichen Nahverkehr den Weg. Die sogenannten Smartwatches zaubern den Weg zur nächsten Postfiliale oder dem nahe gelegenen Restaurant direkt aufs Handgelenk. Und Outdoor-GPS-Geräte führen einen über holprige Bergpfade und verborgenste Täler mitten durch die Alpen und finden noch in den entlegensten Gebieten ein Signal zum Satelliten, der uns zeigt auf welchem Punkt der Route wir uns gerade befinden. Eigentlich hat sich also gar nicht viel verändert. Sowohl bei uns als auch bei den Weisen aus damaliger Zeit kam das Weg-Signal aus dem Himmel. Bei uns ist es der Satellit, bei ihnen war es der Stern.

Und auch wenn ich den Vergleich nicht ganz ernst meine, so ist er doch nicht völlig falsch. Sterndeutung ist in der Zeit um Christi Geburt eine anerkannte Wissenschaft. Gerade in Babylonien, eine Gegend, die etliche Kilometer östlich von Israel liegt, war die Sternenkunde in der damaligen Zeit sehr angesehen. Man hatte beobachtet, dass sich die Stellung mancher Sterne zueinander veränderte. Aus diesen Veränderungen leitete man allerhand ab: Wetterphänomene, günstige oder ungünstige Zeiten für Kriege, gute Bedingungen zum Kinderkriegen etc. etc. Wir sind da heute weiter und wissen, dass aus der Stellung der Sterne und den Bewegungen im Weltall deutlich weniger vorherzusagen ist. Wenn auch Wetterphänomene durchaus durch kosmische Bewegungen ausgelöst werden können. Die Astronomie hat die Astrologie als Wissenschaft abgelöst. Sie bringt uns Erkenntnisse über die Beschaffenheit unseres Planeten, die Veränderung unserer Atmosphäre (Stichwort Klimawandel!) und den Aufbau und die Entwicklung unseres Sonnensystems.

Auch, wenn sich das Wissen über Sterne und der Umgang mit ihnen stark verändert hat, ist eins doch immer gleich geblieben: Sterne faszinieren den Menschen! Und wer von Ihnen oder von Euch schon mal die Chance hatte im Freien zu schlafen – ich gebe zu in dieser Jahreszeit fällt es nicht leicht sich das vorzustellen. Also wer schon mal die Chance hatte im Freien zu schlafen, dort wo es wenig künstliches Licht gibt, der hat sehen können, wie hell Sterne leuchten können. Wie sie einen in ihren Bann ziehen können, mit ihrem Funkeln mit den Formen die sie zusammen ergeben: Der große Wagen oder das Himmels-W Kasyopeja. Endlos weit entfernte Sonnen strahlen als kleine Lichter am Himmel und geben einem das Gefühl, man könne sie mit den Fingern berühren. In den Sternen leuchtet uns die Unendlichkeit des Universums entgegen! Sie zeigen uns, dass unsere Welt und ihre Zusammenhänge größer sind, als das, was wir jeden Tag sehen und was wir verstehen können. Da ist nicht einfach Dunkelheit, nicht einfach nichts. Sterne bringen ein wenig Licht ins Dunkel. Sterne wecken die Sehnsucht im Menschen, nach einem größeren Sinn der hinter dieser Welt steht. Sie lassen Menschen etwas von göttlicher Größe, ja manchmal vielleicht von Gott selbst erahnen.

Darum ist es nicht verwunderlich, dass Sternendeuter in der Antike, eine ungewöhnliche Konstellation am Sternenhimmel als Zeichen für ein großes Ereignis deuteten. Astronomen halten es heute für wahrscheinlich, dass es in der Zeit um Jesu Geburt zu einer Sternenerscheinung durch die Begegnung von Saturn und Jupiter gekommen ist. In Babylonien, woher die Sterndeuter wahrscheinlich herstammen dürften, prophezeite man schon länger das Kommen eines großen Königs der Frieden über die ganze Welt bringen würde. Die Sterndeuter deuteten in der besonderen Sternenerscheinung, dass dieses sich nun erfüllen würde.

Und dann brachen sie auf diese weisen Männer, folgten diesem Himmelszeichen. Voller Hoffnung, dass sich ihre Erwartungen erfüllen würden. Sie zogen einfach los. Voller Vertrauen in dieses Zeichen. Egal über welche Wege sie der Stern führen würde, egal welche steinigen Berghänge sie bewältigen und welche tiefen Täler sie durchwandern müssten. Auch die Gefahren, die ein solcher Weg mit sich bringen kann, ließen sie nicht zurück schrecken. Denn sie glaubten an etwas Großes. Das machte Ihnen Mut sich auf den Weg der vor ihnen liegt einzulassen. Und wenn der Weg zu beschwerlich zu werden drohte, wenn die Klippen steil, die Täler zu dunkel, die Gegend zu gefährlich zu werden

schien. Dann reichte Ihnen ein Blick nach oben, auf den Stern, um die Dunkelheit auf dem Weg wieder mit etwas Licht zu füllen.

Ich finde der Weg der drei weisen Männer ist ein schönes Bild dafür, wie wir als Christen durch das Leben gehen. Der Weg selbst ist nichts anders wie für jeden anderen Menschen auch. Mal ist er flach und eben, mit strahlendem Sonnenschein. Alles ist ideal und macht einfach Spaß. Die Welt duftet wie eine blühende Sommerwiese und schmeckt nach Spekulatius. Vielleicht weil man gerade frisch verliebt ist, es endlich mit der guten Note in Englisch geklappt hat. Vielleicht auch, weil endlich wieder die Kinder und Enkelkinder für eine Woche zu Besuch sind. Auf diesen Etappen des Lebenswegs läuft es sich wie auf Wolken. Es geht leicht voran. Aber dann gibt es auch die steilen Bergklippen im Leben, bei denen die Füße immer am Geröll abrutschen, wo der Rücken zu schmerzen beginnt. Auf denen das Leben auf uns herabregnet und mit seinem kalten Hauch unter unsere Jacke weht. Sorgen und Ängste lähmen die Schritte. Nur schwer geht es voran. Leider gehören auch solche Etappen zum Leben dazu. Wie gerne würde ich darauf verzichten. Aber gerade jetzt am Wochenende von Epiphanias, merke ich wie auch meine Schritte beginnen langsam etwas zäher zu werden. Morgen beginnt für die meisten von uns wieder der Alltag mit seinen kleinen und großen Herausforderungen, mit Schule, Arbeit und anderen Verpflichtungen . Die ruhige Zeit zwischen Weihnachten und Epiphanias geht zu Ende und mit ihr alles was ich an ihr so schätze. Die Lichter in der Wohnung werden wieder weggeräumt. Die Krippenfiguren kommen zurück in die Schachteln und der Weihnachtsbaum muss abgeschmückt werden.

Manche freuen sich vielleicht auch darauf, dass diese Zeit vorbei geht und nun wieder „normales Leben“ einzieht. Für mich bedeutet dieser Wechsel zum Alltag, auf der einen Seite zwar Freude auf die kommenden Aufgaben. Auf der anderen Seite Abschied von einer Zeit, die mich auf besondere Weise erfüllt, die mich mit ihrem Glanz und Lichtern, wie mit der Krippe auf unserem Regal daran erinnert, dass es in meinem Leben mehr gibt als das was ich mit bloßem Auge erkenne. Eine Zeit in der das Licht der Hoffnung sichtbar in unseren Wohnungen brennt, entgegen aller Dunkelheit die es im Leben geben kann. Und jetzt verschwinden diese Lichter von unseren Tischen und machen Platz für die Stapel von Aufgaben und Pflichten. Ganz so leichtfüßig wie in der letzten Zeit, geht es nun vielleicht erstmal nicht weiter.

Und gerade deshalb ist es so wichtig und so schön, dass es das Epiphaniasfest gibt, das ja eigentlich schon gestern war und das wir heute noch einmal nachfeiern. Denn dieses Fest holt Weihnachten mit seiner hoffnungsvollen Botschaft in den Alltag hinein, indem es am Weg der Sterndeuter zeigt, was das Besondere daran ist als Christ oder Christin durchs Leben zu gehen. Und das Besondere ist: Von Hoffnung geleitet zu sein. Egal wie der Weg gerade aussieht. Ob er flach und eben ist, oder steinig und steil. Wie ein Stern leuchtet die Weihnachtsbotschaft über jedem Meter unseres Lebens. Und je dunkler es um uns wird, desto heller kann der Stern leuchten. Gerade, wenn es einem mal nicht gut geht, aber auch in jeder anderen Minute, weist dieser Stern darauf hin, dass Gott in dieser Welt zu finden ist. Dass man ihm begegnen kann, in einem Menschen, der unter einfachsten Bedingungen geboren wird und mit seinen späteren Worten und Taten für viele Menschen zum Lichtblick wird. Dieser Stern weisst darauf hin, dass es einen Gott gibt, der sich in dieser Welt zeigt, einen Gott, der dieses Leben mit seinen Menschen teilt, mit Freud und Leid. Dieser Stern ist Symbol für das Licht, das Gott auf unserem Lebensweg scheinen lässt, damit dieser Weg nicht dunkel und finster bleibt.

Aus diesem Grund bringen Kinder, verkleidet als Heilige drei Könige bei der jährlich an Epiphanias stattfindenden Sternsingeraktion der katholischen Kirche das Licht dieses Sterns symbolisch zu den Menschen nach Hause, indem sie auf dem Haus einen Segensspruch hinterlassen, in dem der Stern deutlich zu erkennen ist: 20* C + M + B *18. Christus mansionem benedicat – „Christus segne dieses Haus“ ist die Segensbitte, die sich hinter den Buchstaben verbirgt. Und mit den Sternen, sollen die Bewohner des Hauses bei allen Aufgaben des Jahres, auf allen ihren Wegabschnitten das hoffnungsvolle Licht der Weihnachtsbotschaft bei sich haben.
Ich lasse auch in diesem Jahr wieder während der Epiphaniaszeit irgendwo in unserer Wohnung einen Stern hängen, der mich auch im Alltag an die Weihnachtszeit erinnert und an die Hoffnung mit der ich durch das Leben gehen kann. Und vielleicht haben Sie, habt ihr ja auch einen Stern, der sie und euch in den nächsten Wochen irgendwo in der Wohnung begleiten kann. Entweder über die Epiphaniaszeit, die noch bis zum 3. Februar geht, oder sogar darüber hinaus. Einen Stern der Hoffnung spendet, indem er Sie und Euch in dem einen oder anderen Moment in Gedanken an die Krippe führt. So, dass es für uns alle wie für die Sterndeuter heißt:

Sie haben ihr Ziel erreicht!

 

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