Heute ist Tag der Zöllner. Also ein Tag für die Menschen, die als Angestellte in einer Zollbehörde arbeiten. Zöllner in Deutschland sind in der Regel Beamte der Bundeszollverwaltung. Meistens kennen wir sie von Kontrollen an Grenzen, in Häfen oder auf Flughäfen. Zu ihren Aufgaben gehört u. a. die Beobachtung und der Schutz der Landesgrenzen, sowie die Abgabenerhebung; also das Einnehmen von Steuern und Zöllen. Zollbeamte sind wichtig für die Sicherheit des Landes und die Sicherstellung von Einkünften für die Gemeinschaft. Ein guter Grund, um sie mit einem Tag zu würdigen!
Und dennoch freut sich wahrscheinlich selten jemand, wenn er vom Zoll zur Kasse gebeten wird.
Es wundert darum nicht, dass schon seit der Antike kaum jemand etwas gerne mit Menschen vom Zoll zu tun hatte. Zumal die Zöllner damals wohl korrupter waren als die deutschen Zollbeamten heute. Wer damals an einem Zöllner „vorbei“ musste, der zahlte gerne mal ein Paar Münzen mehr als nötig. Zöllner gehörten zu den Menschen, die man mied. Mit solchen „Halsabschneidern“ wollte damals keiner etwas zu tun haben. Darum staunten die Menschen nicht schlecht, als Jesus gerade bei Zöllnern einkehrte und mit ihnen zusammen am Tisch saß. Der lang ersehnte Messias – ausgerechnet bei diesen Menschen! Im Evangelium von Markus kann man im 2. Kapitel folgendes lesen:

Die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen,
dass Jesus mit schuldbeladenen Menschen und Zolleinnehmern aß.
Da sagten sie zu seinen Jüngern:
„Wie kann er mit Zolleinnehmern und solchen Menschen essen?“
Jesus hörte das und gab ihnen zur Antwort:
„Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.
Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zur Umkehr zu rufen,
sondern die Menschen, die voller Schuld sind.“

Jesus saß gerade deshalb mit Zöllner zusammen, weil sie so viele verachteten. Wie muss es einem Zöllner damals gegangen sein, der nicht korrupt war? Oder wie wird sich ein Zöllner gefühlt haben, der es bereute, immer wieder der Versuchung zu erliegen, ein bisschen mehr als nötig von den Menschen einzufordern? Gemieden und verachtet waren sie von den anderen Menschen. Und dann kommt ausgerechnet dieser Jesus und setzt sich zu ihnen an den Tisch. So ist Gott, zeigt Jesus ihnen. Er setzt sich zu euch, wenn niemand bei euch sitzt!
Ein guter Grund, wie ich finde, den heutigen Tag nicht nur als Tag der Zollbeamten zu feiern, die für unsere Gesellschaft so wichtig sind. Heute kann auch ein Tag für die einsamen und gemiedenen Menschen sein, die wir so oft am Rand der Gesellschaft vergessen. Ein Tag, um sich gerade mit ihnen an einen Tisch zu setzen.

Amen.

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