Wer träumt nicht davon: Einmal Gold finden. Immer wieder in der Geschichte der Menschheit haben sich Männer und auch Frauen auf den Weg gemacht, um einen glorreichen Goldschatz zu finden. So wie damals 1896. Als Georg Washington Carmack einen daumengroßen Gold-Nugget an einem Seitenarm des Klondike-Flusses in Yukon entdeckte. Unfassbar! Und wo sich ein Nugget befindet, da dürfte auch noch mehr zu finden sein. Es folgte der größte und bekannteste Goldrausch der Geschichte. Ca. 100.000 Menschen machten sich am Ende des 19. Jahrhunderts auf den Weg in den einsamen Nordwesten Kanadas. Ihr Ziel: „König des Klondike“ zu werden! Denn so wurden all’ diejenigen bezeichnet, die mit reichen Funden von ihrer Schatzsuche im Klondike zurückkehrten. 68 Könige des Klondike brachte das erste Schiff mit Schatzsuchern im Sommer 1897 am Ende wieder zurück in die Zivilisation. An Bord: 2 Tonnen Edelmetall. Noch heute wird am Klondike erfolgreich Gold gefördert, pro Jahr zwischen 1,35 bis 1,8 Tonnen Gold. Aber, wenn es Sie und euch jetzt schon in den Fingern juckt, und Sie schon jetzt in Gedanken den nächsten Sommerurlaub nach Kanada planen, um vielleicht selbst König des Klondike zu werden, dann will ich Ihnen auch noch mitteilen, dass das Schatzsuchen gar nicht so eine einfache Sache ist. Viele Männer und Frauen sind damals schon bei dem Versuch, zum Klondike zu kommen und dort ein Fleckchen zu finden, an dem sie Gold schürfen können, gescheitert. Viele verloren bei der damals noch so gefährlichen Reise sogar ihr Leben, durch wilde Tiere und Menschen, die ihnen auflauerten, um ihnen die Ausrüstung zu stehlen, oder weil sie bei den Schatzsuchern schon erste Goldfunde vermuteten. Schatzsucher zu sein ist also gar nicht so einfach. Und trotzdem reizt wahrscheinlich jeden Menschen die Vorstellung, einmal einen Schatz zu finden. Ansonsten würde man wohl in Kinderbüchern nicht so viel von Schatzsuchen lesen. Ansonsten gäbe es wohl heute nicht so viele Menschen, die regelmäßig Lotto spielen und auf den großen Gewinn hoffen. Einen Schatz zu finden, das ist etwas ganz besonderes. Und deshalb verwundert es einen auch nicht, dass der beliebteste Kosename, den Paare sich in Deutschland gegenseitig geben eben „Schatz“ ist. Ein Schatz ist etwas wertvolles, etwas besonders wertvolles, das gerade auch darum so besonders ist, weil es zunächst noch im Verborgenen liegt. Ein Schatz ist etwas wertvolles, das man erst einmal entdecken muss. Nur selten wissen Schatzsucher, wenn sie sich auf den Weg machen, was genau sie finden werden. Aber sie wissen, dass da etwas Besonderes auf sie wartet, etwas, das ihr Leben verändern kann. Und dann machen sie sich auf den Weg und gehen auf Schatzsuche. Auch hier in Röbbel. Heute an diesem Tag beginnt eine Schatzsuche. Allerdings muss dafür gleich keiner in den Röbbelbach steigen und mit dem Schürfen anfangen. Denn bei diesem Schatz, den es zu entdecken gilt, handelt es sich nicht um Goldnuggets. Sondern um einen ganz anderen Schatz. Einen Schatz, der auch und noch viel mehr als Gold die Fähigkeit besitzt unser Leben zu verändern. Ein Schatz der uns fähig macht, unser Leben intensiver zu erleben und der uns stark macht, auch in schwierigsten Zeiten nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Vielleicht kann man sich diesen Schatz – den der Mann aus unserem Evangelium im Acker entdeckt und den es auch heute hier zu entdecken gilt – vielleicht kann man sich diesen Schatz wie eine kostbare Brille vorstellen. Eine Brille mit ganz besonderen Gläsern. Eine Brille, die einen das Leben immer aus Gottes Perspektive betrachten lässt. Die einem sozusagen einen göttlichen Blickwinkel für das eigene Leben und diese Welt schenkt. Denn mit so einer Brille auf der Nase kann das Leben anders aussehen, als man es sonst sieht. Mit dieser Brille lassen sich die schönen Momente noch intensiver genießen, weil sie einem in allen Dingen das Göttliche, das Leben, das Schöne entdecken lässt und weil sie den Zusammenhang aller Dinge und Lebewesen erkennen und spüren lässt. Mit dieser Brille erhält die Welt einen besonderen Glanz! Auch in schwierigen Zeiten lassen einen die göttlichen Brillengläser noch das Besondere in dieser Welt erkennen. Wenn man traurig ist, zeigen sie einem, was Trost spendet. Wenn jemand anderes ungerecht zu mir ist, lassen sie mich in ihm dennoch einen Mitmenschen erkennen. Wenn die ganze Welt ungerecht zu mir ist, kann ich mit diesen Gläsern noch einen Vater entdecken, der hinter mir steht und mich nicht allein lässt. Diese Brillengläser können Licht ins Dunkel bringen, sie können mich etwas Besonderes erkennen lassen, wo alles grau ist, einen Weg aufzeigen, wo ich ansonsten keinen Meter weit schauen könnte. Solche göttlichen Brillengläser sind ein echter Schatz. Solche göttlichen Brillengläser können das Leben verändern. Mit der Taufe begeben sich Menschen auf Schatzsuche nach eben dieser besonderen und wertvollen Brille für das Leben! Doch Schätze zu suchen ist ja, wie wir vom Klondike wissen, gar nicht so einfach! Damit man überhaupt eine Chance hat etwas zu finden, braucht man eine gute Ausrüstung und eine Schatzkarte. Eine besondere Rolle spielen auf dieser Schatzkarte natürlich die Eltern, sie gehen gerade auf den ersten Metern der Schatzsuche Seite an Seite ihrer Kinder und bringen sie sozusagen auf den Weg. Auch die Patenonkels und Patentanten kommen immer wieder für einige Abschnitte hinzu. Feiern zurückgelegte Abschnitte mit ihren Schützlingen, natürlich auch Geburtstage, und tragen die kleinen Schatzsucher auch einmal, wenn es darum geht eine schwere Klippe zu überwinden. Immer mehr werden sich die kleinen Schatzsucher dann in den kommenden Jahren auf eigene Faust auf die Suche nach dem Schatz begeben. Vielleicht finden sie bei Gesprächen mit anderen Kindern und Erwachsenen, beim Kindergottesdienst und beim Konfirmandenunterricht in der 4. und 8. Klasse wichtige Hinweise und gelangen allmählich in Besitz des wertvollen Schatzes. Und vielleicht ist es gerade die Schatzsuche der kleinen Schatzsucher, die auch in uns Großen das Schatzsucherfieber neu oder von Neuem anfacht. Denn auch wertvolle Brillen haben ja die Angewohnheit, mal verlegt zu werden. Auch wenn wir groß sind und den Schatz schon einmal gehoben haben, kann die Schatzsuche auch von Neuem beginnen und vielleicht – und sehr wahrscheinlich – sind es dann ganz andere Wegabschnitte, die uns erneut zu diesem besonderen Schatz führen können. Einen Schatz der bedeutender sein kann als jedes Goldnugget, weil er einen nicht nur reich macht wie die Könige vom Klondike. Dieser göttliche Schatz, der in jedem Leben zu finden ist, macht reicher als reich, dieser Schatz macht reich an Leben! Viel Erfolg bei der Suche!

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