„Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all,
zur Krippe her kommet in Betlehems Stall.
Und seht was in dieser hoch heiligen Nacht,
der Vater im Himmel für Freude uns macht.“

Immer wenn ich dieses Lied höre oder singe, sehe ich einen Haufen fröhlicher Kinder vor meinem inneren Auge, wie sie auf den Stall mit Maria und Josef und natürlich die Krippe mit dem Jesuskind zu rennen. Ein wildes Gewusel. Einer drängt den anderen zur Seite. Alle wollen einmal einen Blick auf das Jesuskind erhaschen, wie es da liegt und schläft. Falls es das bei diesem Ansturm kann. Nichts zu spüren von Besinnlichkeit und Ruhe. Da herrscht ein ausgelassener Kindergeburtstag. Man mag fast noch vermuten, dass Luftballons und Luftschlangen durch die Krippe fliegen könnten. Welche Freude! Ein neues Leben ist entstanden. Ein kleines Kind ist geboren. Ein ganz besonderes Kind. Denn in diesem Kind haben Menschen von damals bis heute Gott erkannt.
Lasst uns uns also in den nächsten Minuten auch auf den Weg zur Krippe machen und sehen was die Geburt dieses Kindes für uns persönlich bedeutet! Lasst uns den Geruch von Weihnachten einatmen, den wir als Kinder genossen haben. Lasst uns versuchen wieder dieses Weihnachtsgefühl zu finden, dass uns in der Kindheit von den Haarspitzen bis in die kleinen Zehen ausgefüllt hat.

Aber, wie stellt man das an? Während Kinder im Advent ungeduldig darauf warten, dass die ungeöffneten Türchen am Adventskalender weniger werden und am Morgen von Heiligabend schon ungeduldig mit den Füßen scharren, fragen sich die Erwachsenen, wo die Adventszeit geblieben ist, während man damit beschäftigt war die letzten Einkäufe zu erledigen. Die Freude über die Weihnachtspost im Briefkasten wird durch die dahinterliegende Rechnung getrübt und das letzte Gespräch mit den Vorgesetzten spukt auch noch im Kopf herum. Wie wird es im nächsten Jahr mit der Stelle weitergehen?
Es wäre so schön einfach wieder Kind zu sein.
Weihnachten wieder unbeschwert zu feiern und sich einfach so freuen zu können. Liebevoll werden Wohnungen mit Sternen geschmückt, Kerzen angezündet und süße Plätzchen gebacken oder gekauft. Und trotzdem bleiben neben dem Plätzchenduft auch die Sorgen im Raum hängen. All die schönen Dinge führen nicht wie erhofft in das sorgenfreie weihnachtliche Staunen der Kindheit zurück. Die heile Welt der Radioweihnachtslieder, die von einem sorgenfreien Leben und persönlichem Frieden singen, schafft es einfach nicht in die eigenen vier Wände vorzudringen. Vielmehr werden für viele Menschen Weihnachtsbaum, Krippe und Co. zu Symbolen für die unerfüllte Sehnsucht, Weihnachten wie ein Kind zu erleben. Und während Kinder sich neben dem begehrten Spielzeug gleich auch noch Frieden für die Welt wünschen, fragen sich viele Erwachsene, ob sie sich überhaupt noch etwas gegenseitig schenken sollten. Das was sie wirklich brauchen, könnten sie sich ja eh nicht gegenseitig schenken bzw. bekommen… Manche von ihnen wünschen sich Gesundheit, andere möchten sich so gerne wieder mit ihrem Partner besser verstehen. Manche würden gern etwas haben, mit dem sie ihre Trauer über den Tod eines lieben Menschen besser aushalten können, andere hätten gerne einen sicheren Arbeitsplatz. Da gibt es Menschen, die sich so gerne wieder mit ihrer Familie vertragen würden, dort wünschen sich Menschen wieder gebraucht zu werden.

In den Wohnzimmern und Kirchen sitzen die Menschen am heutigen Tag zusammen. Jede mit ihrem und jeder mit seinem Leben. So wie es ist; nicht perfekt; mit großen oder kleinen Sorgen. Sie alle sind voller Sehnsucht nach einem erfüllten Weihnachtsfest, nach einer heilen Zeit. Aber wie kann diese Sehnsucht gestillt werden, angesichts der unerfüllten Wünsche, die das Leben so bestimmen?
Die Antwort: Mit einem ganz besonderen Geschenk!
Mit Gott selbst, der vor 2017 Jahren am Weihnachtstag in einem Menschen sichtbar geworden ist und dieses menschliche Leben mit seinen unerfüllten Sehnsüchten mit uns teilt. Der in einem ärmlichen Stall geboren wurde, sein erstes Bettchen im Stroh der Futterkrippe hat und der in seinem Leben später auf brutalste Weise erfahren hat, was es heißt zu leiden, durch Ablehnung, Verrat, Folter und seine grausame Tötung am Kreuz. Gott leidet mit, teilt unsere
Sehnsüchte. Und wer das Leid und die unerfüllte Sehnsucht eines anderen mit aushält, der spendet Trost. Dieses Kind in Bethlehem ist das Zeichen für einen Gott der nicht groß und unnahbar ist, sondern tröstet. Das Kind in dem Stall ist ein Zeichen für einen Gott der mir persönlich nahe ist, der bei mir persönlich ist. Ein Gott auf den ich mich verlassen kann, der für mich da ist, wie liebende Eltern!
Und darum schreibt der Autor des ersten Johannesbriefs:
„Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es tatsächlich.“ Wir sind Kinder Gottes. Mit unseren Sorgen und unerfüllten Sehnsüchten sind wir nicht allein.
Dass Gott in diesem kleinen Kind sichtbar wird, macht Mut, dass Gott gerade da ist, wo nicht alles perfekt ist! Er zeigt sich berührbar, gefährdet und klein, in ärmlichsten Verhältnissen geboren. Dort, wo etwas nicht perfekt ist, wo Wünsche offen bleiben, dort wo Sorgen drücken, ja, da wo man es nie erwarten würde kann man gerade das Heil finden. Und so erscheint der Engel mit der Weihnachtsbotschaft draußen bei denen, die einsam im Dunkeln außerhalb der Stadt ihre Arbeit verrichten. Den Hirten. Denjenigen die das Gefühl hatten, mit ihren Sorgen und Sehnsüchten sonst immer außen vor zu bleiben. Diese Hirten stehen für uns erwachsene Menschen mit unseren Sorgen und offen gebliebenen Wünschen. Uns allen gilt heute der Satz aus dem ersten Johannesbrief: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es tatsächlich.“ Egal wo wir herkommen und wie glücklich wir sind.
Im Jesuskind ist Gott nicht nur einem ausgewählten Kreis von Glücklichen, sondern allen Menschen nah. Was vereint die Menschen schließlich mehr als die Geburt eines Kindes?
Vor einem Neugeborenen stehen arme Hirten wie Könige gleichermaßen mit strahlenden Augen.
Alle jungen Mütter und Väter wissen das. Wenn kurz nach der Geburt der erste Besuch vor der Tür steht, um das Neugeborene mit freundlichen Blicken und Geschenken zu begutachten und willkommen zu heißen, dann kommen allerhand unterschiedliche Menschen zusammen. Und vermutlich hat jeder schon einmal erlebt wie er durch den Anblick eines Säuglings alles das vergisst, was ihn gerade drängt und plagt.
Ein Kind vereint Menschen. Das Jesuskind auf ganz besondere Weise. Denn es ist ein Hoffnungs-Zeichen. Eine Ahnung von Frieden inmitten einer Welt, die oft ungerecht und friedlos scheint.

Es war vor gut 100 Jahren, als im 1. Weltkrieg Soldaten an der Westfront zu Weihnachten mitten in der kriegerischen Auseinandersetzung die Waffen niederlegten. Während die britischen Soldaten aus ihrer Heimat Schokolade, Scones und Tabak sowie eine Grußkarte des Königs mit den Worten: „Möge Gott euch schützen und wieder nach Hause bringen.“ erhalten hatten bekamen die deutschen Soldaten Päckchen aus ihren Heimatgemeinden und von ihren Familien mit Essen, warmer Kleidung, Alkohol, Zigaretten und vor allem Briefen ihrer Liebsten zugesandt. In diesen Päckchen steckte für die britischen und deutschen Soldaten ein Hauch von normalen Leben. Abseits von Waffengräben, Schmutz, Verletzungen und Kriegstod. In diesen Päckchen steckte eine Ahnung vom Frieden. Auf dem Schlachtfeld auf dem sie nun schon monatelang kämpften, hatten sie das schon beinahe vergessen. Frieden! Enthusiastisch waren sie in den Krieg gezogen und hatten ihr altes Leben, ihre Frauen und Kinder, ihre Arbeit und die Entspannung nicht mit der nächsten tödlichen Kugel rechnen zu müssen, aufgegeben. Von dieser Friedensbotschaft aus der Heimat beschwingt und von einer Munitionskrise unterstützt begannen beide Frontseiten einander an ihren weihnachtlichen Feierlichkeiten teilhaben zu lassen. Deutsche schafften einen Schokokuchen auf die Seite der englischen Front und auf die deutschen Weihnachtslieder reagierten die britischen Soldaten mit Applaus, bevor sie letztlich selbst begannen englische Weihnachtslieder zu singen. Am nächsten Tag war es den britischen und deutschen Soldaten sogar möglich in einer gemeinsamen Trauerfeier ihre gefallenen Kameraden zu beerdigen. In diesen Stunden waren die Regeln des Krieges aufgehoben. Ob Engländer, Schotte oder Deutscher spielte keine Rolle mehr. Sie haben in den feindlichen Soldaten einen Menschen gesehen, der neben ihnen an der Krippe steht. Sie waren gemeinsam Gotteskinder und haben inmitten von Leid und Tod etwas kindliche Weihnachtsfreude wiederentdeckt.

Vielleicht ist Weihnachten für Erwachsene einfach anders als für die meisten Kinder, weil ihnen der kalte Hauch dieser Welt schon mehr oder weniger stark ins Gesicht geweht hat. Aber egal wie viele Sorgen und unerfüllten Wünsche uns als erwachsene Menschen auch belasten. Eines hat sich an Weihnachten seit unserer Kindheit nicht verändert und wird sich auch nie verändern: Jedes Jahr aufs neue ruft uns der Weihnachtsengel an die Krippe, damit wir sehen, dass Gott sich uns in Liebe zuwendet. Jedes Jahr aufs neue liegt das Christuskind als Zeichen der Hoffnung und des Trostes in den Krippen unserer Wohnzimmer. Und damit liegt das Vertrauen und die Hoffnung die wir als Kinder in diese Welt einmal gehabt haben und mit der wir Weihnachten als Kinder erlebt haben im wahrsten Sinne des Wortes in unseren Wohnzimmern. Wir müssen nur hintreten zu den ganzen Kindern an die Krippe und versuchen einen Blick darauf zu erhaschen.
Fröhliche Weihnachten Euch Gotteskindern!

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: