Zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2017.

Für viele Menschen gehören sie fest zum Tagesablauf. Egal zu welcher Tageszeit. Morgens oder Abends oder doch zwischendurch. Man bekommt sie in unterschiedlichsten Formaten und Größen. Man kann sie sehen, lesen oder auch nur hören. Sie sind unterschiedlich gestaltet. Viele mit Bildern oder Videos. Viele bestehen aber auch nur aus Worten, geschrieben oder ausgesprochen. Sie sind alle verschieden, viele ernsthaft, manche auch mal unterhaltsam. Doch die meisten von ihnen sind ernüchternd, entmutigend und überhaupt nicht schön. Wahrscheinlich haben Sie, habt Ihr, liebe Gemeinde schon erraten, was ich meine: Die Nachrichten. Für den einen gehören sie fest zum Frühstück mit dazu. Schon am Morgen liegt die Zeitung im Briefkasten mit den neuesten Nachrichten, sodass sie zum ersten Bissen des Tages aufgeschlagen werden kann. Und vielleicht gehören Sie zu den zahlreichen Menschen, die sich darauf freuen, wenn sie am Wochenende einmal ausgiebig in der Zeitung lesen können und ihnen der Duft von Kaffee, Brötchen und frischer Druckerschwärze in die Nase zieht. Vielleicht gehören Sie auch zu den 10 Millionen Deutschen, für die es zum täglichen Ritual gehört, dass pünktlich um 20 Uhr der Gong der Tagesschau im heimischen Fernseher ertönt, auf den die wichtigsten Nachrichten des Tages folgen.   Oder lesen Sie die Nachrichten lieber zwischendurch auf Ihrem Smartphone oder dem Computer? Zahlreiche Apps machen es heute kinderleicht, die aktuellsten Meldungen aus aller Welt auch zwischendurch in unseren Alltag vordringen zu lassen. So können uns die Apps mit der Push-Funktion sogar per Hinweiston und Vibrationssignal auf neue Nachrichten hinweisen, sobald diese über den Äther gehen. Noch nie haben uns Nachrichten so eng durch unser Leben begleitet wie heute. Noch nie wurden wir so regelmäßig darüber informiert, wo und wie Menschen in dieser Welt zu Schaden kommen, wie es um den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea bestellt ist. Was gerade irgendwo passiert. Leiden, Krieg, Verbrechen, Armut und Hunger steckt uns wortwörtlich in Hand- und Hosentasche. Nachrichten fassen das Leid in dieser Welt zusammen. Sie informieren. Sie decken auf, was in der Welt nicht funktioniert, wo Menschen leiden. Sie berichten von Menschen und Gruppen, denen andere weniger wichtig sind als sie selbst. Sie zeigen, wo Menschen schlicht versagen. Nachrichten informieren und das ist wichtig, damit wir mitreden und mithandeln können. Aber Nachrichten machen auch Angst. Täglich erfahren wir von Not, Tod und Leiden, von Menschen, die sich in die eigene Tasche wirtschaften und ihre Macht ausbauen. Und von Menschen, die anderen die Freiheit oder sogar das Leben nehmen. Sogar Grundschüler (!) sagten mir letztes Jahr, dass sie sich davor fürchten, dass es in Deutschland noch mehr Terror-Anschläge geben könnte.

Die Angst vor der Zukunft wächst. Und den Politikern wird nur selten zugetraut, uns diese Angst zu nehmen.

Auch sie sind ja nur ein kleines Zahnrad im großen Getriebe der Welt. Oftmals gezwungen mitzudrehen in der Richtung ihrer Partei.  Eingeklemmt zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen von Großkonzernen, Gesetzen und den unterschiedlichen Wählern. Nur noch selten schaffen es Politiker große Hoffnungen zu machen. Und wenn dieses gelingt, wie damals bei der Wahl Barak Obamas in den USA, dann kommt es im Nachhinein doch oft zu einer gewissen Ernüchterung. Politiker haben nur bedingt Möglichkeiten an den Verhältnissen in dieser Welt etwas zu verändern. Und auch das geben die Nachrichten knallhart wieder: Das kann man schön daran ablesen, wenn in den ganzen Politmagazinen der Arbeitsertrag der Bundesministerinnen und -minister aus den letzten vier Jahren aufgezählt und mit den Leistungen ihrer Vorgänger und Kolleginnen verglichen wird. Auch was da raus kommt ernüchtert und baut keine Ängste ab. Hoffnung für die Zukunft wächst auf diese Weise nicht.

Woher bekommen wir also Hoffnung, in Zeiten von zermürbenden Nachrichten, die uns dauernd begleiten? Wenn Wahlplakate oftmals wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein? Wenn es so aussieht, als ob es mit dieser Welt immer nur bergab geht? Vielleicht durch uns selbst? Wir könnten ja selber versuchen etwas zu ändern. Aber an die große Politik kommen wir kleine Bürger ja gar nicht heran. Die großen Dinge werden woanders entschieden. Auch wir sind nur Zahnräder im Getriebe dieser Welt, die an dem Ort drehen, an dem sie eingesetzt worden sind. Vielleicht können wir ein bisschen was tun. Indem wir auf das ein oder andere bewusst achten, z.B. ob die Produkte, die wir kaufen, auch fair hergestellt wurden oder dass wir niemanden übersehen, der unsere Hilfe braucht. Aber das meiste haben wir nicht in der Hand – selbst wenn wir es ändern wollen. Wir leben in Deutschland und haben genug zu essen, andere in Eritrea und hungern. Auch wir sind Teil von negativen Entwicklungen, die diese Welt mitmacht. Wer oder was gibt uns noch Hoffnung für die Zukunft, trotz all der negativen Nachrichten, die uns tagtäglich vor Augen und Ohren kommen? Wer kann uns wirklich begründet eine positive Perspektive geben?

Ich sehe auf zu den Bergen, woher kommt mir – woher kommt uns in unserer Welt – Hilfe? Die Hilfe kommt von Gott, dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Das steht am Anfang des 121. Psalms. Im alten Israel wusste man schon vor über 2000 Jahren, dass wenn alles aussichtslos scheint, Hoffnung nur noch von einer Seite kommen kann: Von Gott, auf den diese Welt und alles was sich hier abspielt zurück geht. Gott, der diese Welt gewollt hat und jedes Leben, das es hier gibt. Ihres. Deines. Ihres. Und Deines. Jede und jeden von uns. Und der diese Welt bewahren will, mit ihr etwas vorhat, auch wenn uns das manchmal nicht ersichtlich ist. Wenn die Welt eine Gott verlassene Gegend und ein hoffnungsloser Ort zu sein scheint. Und gerade für die Zeiten, in denen das so schien, gab es einen Berufszweig im alten Israel. Das waren die Propheten. Sie erinnerten die Menschen, daran, dass Gott sie immer begleitet. Die Propheten waren als Berater am Königshof beschäftigt und berieten die Herrscher in sämtlichen politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten, indem sie Gott ins Spiel brachten. In schwierigen Situationen wiesen die Propheten auf frühere Situationen hin, in denen Gott sie nicht ihrem Schicksal überlassen hatte. Sie wiesen darauf hin, dass Gott seinem Volk ewige Treue und das Überwinden aller Probleme zugesagt hatte. Auch der Text, den wir vor der Predigt gehört haben, stammt aus der Feder eines oder mehrerer solcher Propheten.

„Nur noch ganz kurze Zeit, dann verwandelt sich der abgeholzte Libanon in einen Obstgarten und der Obstgarten wird zu einem wahren Wald“, sagt er. „Dann werden selbst Taube hören, was aus dem Buch vorgelesen wird, und die Blinden kommen aus ihrer Nacht hervor und können sehen. Für die Geringen wird der Herr eine Quelle ständig wachsender Freude sein, und die stets Benachteiligten werden jubeln über den heiligen Gott Israels.“ Und obendrauf folgt noch die Aussage, dass es keine Unterdrücker mehr geben wird und dass es wieder mit Recht zugehen wird.

Es ist ein mutmachender Text, geschrieben für Menschen in einer aussichtslosen und völlig sinnlos wirkenden Situation. Eine Vision von einer Zukunft, in der alles was uns jetzt so enttäuscht, aufgehoben ist. Gerade jetzt reden die Propheten von einer neuen Wirklichkeit, in der alles was jetzt noch bedrückt, vorbei sein soll. In der es keine Unterschiede zwischen arm und reich mehr geben wird, in der niemand mehr für seine Religion verfolgt wird. In der es niemanden mehr gibt, der andere für die Fülle seines Portemonnaies oder für seinen Machtzuwachs unterdrückt. Eine Welt ohne Terroranschläge, ohne Vertreibung, ohne Krieg, Populismus, Leiden und Tod. Daran glauben sie! Aber wie schaffen die Propheten das?

Weil sie fest daran glaubten, dass Gott diese Welt gewollt hat und sich um seine Menschen kümmert, entgegen allen schlechten Nachrichten. Wer glaubt kann hoffen, auch mit schlechten Nachrichten. Das haben die Propheten den Menschen ihrer Zeit immer wieder zugerufen. Dieser Ruf schallt nach und hat bis heute seine Bedeutung. Und in unserer Zeit unaufhörlicher Nachrichten vielleicht um so mehr. Auch ich möchte mir gerne zurufen lassen, dass alles gut werden wird, wenn erneut die Eilmeldung eines Terroranschlags in meiner App erscheint, oder der nächste weltpolitische Konflikt in der Tagesschau gewälzt wird. Wer glaubt kann hoffen! Der verliert auch durch schlechte Nachrichten nicht den positiven Blick für die Zukunft. Falls Sie heute noch Nachrichten lesen, hören oder sehen wollen, dann lassen Sie die mutmachenden Worte des Propheten im Hintergrund mitklingen. Das tut gut. Und macht Mut an die Zukunft dieser Welt zu glauben, für sich selbst in dieser Hoffnung zu leben, trotz all der fürchterlichen Nachrichten.

Wenn wir hoffen, dann holen wir etwas von der frohen Zukunft in die Gegenwart. Wenn wir hoffen leben wir anders, ohne Vorbehalte, ohne Angst. Dann können wir frei und voller Mut unser Leben gestalten, auch wenn es hier und dort nicht rund läuft. Wenn wir unsere Hoffnung jetzt und hier ausleben, dann beginnt ein Teil der frohen Zukunft schon jetzt. Dann resignieren und kapitulieren wir nicht vor schlechten Nachrichten, sondern haben Lust etwas zu verändern.

Noch 21 Tage sind es bis zur Bundestagswahl!

Noch 42 Tage bis zur Landtagswahl hier in Niedersachsen!

Wählen ist ein Ausdruck von Hoffnung, auch wenn in vier Jahren nicht alles besser sein wird. Aber allein durch unsere Wahl können wir zeigen, dass wir an die Zukunft glauben.

Denn wer glaubt, kann hoffen!

 

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