Ende November. Draußen ist es grau und kalt. Der Blick aus dem Fenster ist kompromisslos. Die letzten Blätter sind von den Bäumen gefallen. Die Zugvögel sind längst in den warmen Süden geflogen. Nur noch selten ist Gezwitscher zu hören. Zumeist ist es nur das Krächzen der schwarzgrauen Krähen, die in kleinen Gruppen über die Felder ziehen. Das bunte Leben ist vergangen… Ruhe hält Einzug.
Es ist die Zeit, in der einem sichtbar vor Augen steht, wie zerbrechlich und vergänglich alles ist. Die verwelkten braunen Blätter, die im Herbstwind über die Straßen wehen, spielen das Lied vom Tod: Sterben ist ein Teil des Lebens.
Der November ist eine Zeit, in der sich viele Menschen mit dem Tod beschäftigen. Der Ewigkeits- oder Totensonntag ist diesem Thema in besonderer Weise gewidmet.
Fast jeder Mensch hat sich schon einmal gefragt: Wie geht es nach dem Tod weiter? Ist ein Mensch nach seinem Tod unwiederbringlich weg – oder lebt er nun in irgendeiner Form an einem anderen Ort?
Die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, führt am heutigen Tag viele Menschen in die Kirchen und auf die Friedhöfe. Auch für mich persönlich gilt, je mehr ich dem Tod begegne, desto mehr wächst in mir die Sehnsucht danach, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Dann suche ich nach irgendetwas, dass mir Mut macht, dass diese Sehnsucht nicht ins Leere läuft.
Und ich finde es bei Jesus, als er seinen Freunden kurz vor seinem eigenen Tod sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht versprochen: ‚Ich gehe dorthin, um einen Platz für euch bereit zu machen.’“
Diese Worte lassen mich hoffen. Natürlich gibt es keinen handfesten Beweis dafür, dass es nach dem Tod weiter geht. Aber es gibt diese Worte Jesu, mit denen er Mut machen will Gott und ihm zu vertrauen. Und es gibt Menschen, die Jesus beim Sterben begleitet, aber auch seine Auferstehung erlebt haben. Und die daraus auch für ihr Leben und Sterben Hoffnung geschöpft haben. Diese Hoffnung haben sie an andere Menschen weitergegeben, an ihre Nachbarn, ihre Freunde und ihre Kinder.
Und diese Hoffnung auf ein ewiges Leben wird auch heute noch an Menschen weitergegeben, gerade auch heute, wenn für jede und jeden VerstorbeneN aus diesem Jahr ein Licht angezündet wird. Ein Zeichen, dass das Leben auch nach dem Tod weiter geht – bei Gott, auf neue Weise! Lichter der Hoffnung für Leben, das den Tod überwindet.
Wenn die Lichter in diesen Tagen auf den Gräbern der Verstorbenen leuchten, dann leuchten sie für die Toten und auch für uns. Sie sind ein Zeichen des Lebens, inmitten der Vergänglichkeit. Wie die Grashalme, die im nächsten Frühling wieder ihre Spitzen durch das tote Laub drängen werden.

 

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