Ansprache zur Passionsandacht am 8. März 2017 in Liebfrauen.

Die römischen Soldaten mit ihrem Anführer und die Gerichtsdiener, die von den jüdischen Behörden kamen, nahmen Jesus fest. Sie fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas. Hannas war der Schwiegervater von Kajaphas, der in dem Jahr der Oberste Priester war. Kajaphas war es gewesen, der damals den jüdischen Behörden den Rat gegeben hatte: „Es ist besser, wenn ein Mann für das Volk stirbt.“

Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war ein Bekannter des Obersten Priesters. Deshalb konnte er mit Jesus in den Palast des Obersten Priesters hineingehen. Petrus dagegen blieb draußen vor dem Tor stehen. Der andere Jünger, der Bekannte des Obersten Priesters, kam wieder heraus. Er sprach mit der Pförtnerin und nahm Petrus mit hinein.Die Pförtnerin fragte Petrus: „Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Mannes?“ Er erwiderte: „Nein, das bin ich nicht!“ Es war kalt. Deshalb hatten die Diener des Obersten Priesters und die Gerichtsdiener ein Holzkohlenfeuer angezündet. Sie standen um das Feuer herum und wärmten sich. Petrus stellte sich zu ihnen und wärmte sich ebenfalls […].

Simon Petrus stand immer noch bei den Dienern des Obersten Priesters und wärmte sich am Feuer. Da fragten sie ihn: „Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?“ Er stritt es ab und sagte: „Nein, das bin ich nicht!“ Einer von ihnen war mit dem Mann verwandt, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hatte. Der sagte: „Ich habe dich doch im Garten bei ihm gesehen!“ Wieder stritt Petrus es ab. Im selben Augenblick krähte ein Hahn. (Joh 18,12-18.25-27 – Basis Bibel)

Warum hat er das nur gemacht? Das geht einem doch beim ersten hören dieser Geschichte durch den Kopf, oder?

Jetzt folgt Petrus seinem Meister Jesus schon zur Anklagebank. Sicher mit Respekt. Aber voller Überzeugung, das er ihn in dieser Situation nicht allein lassen kann. Und das, obwohl er nichts ausrichten können wird. Und es wird ihm sicher klar gewesen sein, dass ihn dort jemand erkennen könnte. Er bringt sich in Gefahr, um Jesus nicht allein zu lassen. Er ist ihm treu. Und dann leugnet er trotzdem im entscheidenden Moment, dass er zu ihm gehört. Frustrierend! Für alle beteiligten!

Für Jesus. Denn der bekommt es zwar nicht direkt mit. Aber er hatte Petrus ja schon voraus gesagt, dass er ihn im entscheidenden Moment verleugnen würde.

Und natürlich für Petrus. Er hatte zu Jesus noch gesagt, dass er immer zu ihm stehen würde. Aus voller Überzeugung. Aber erst als der Hahn kräht. Merkt er, dass er Jesus und damit auch sich selbst nicht treu geblieben ist. Wie konnte ihm das passieren?

Die Antwort klingt fast banal: Weil er ein Mensch ist. Ich vermute mal, Sie kennen solche Situationen genauso wie ich. Man ist von etwas überzeugt. Würde alles dafür tun. Aber dann wenn es unangenehm wird, verlässt einen der Mut. Und erst hinterher meldet sich das Gewissen. Wie ein dröhnender Hahnenschrei im Hinterkopf, erinnert es einen daran, das man eben nicht zu dem gestanden hat, was man für richtig und wichtig hielt.

Karsten möchte eigentlich nicht bei der Mutprobe mitmachen. Er hat selber noch nie etwas gestohlen. Seiner Freundin hat er erst letztens gesagt, dass er Stehlen doof findet. und seine Eltern würden ihm das wohl gar nicht zutrauen, warum auch, sie kennen ihn ja. Doch jetzt steht er im Tankstellenshop und lässt eine Bierflasche in seine Jacke gleiten… Und hinterher kräht der Hahn.

„Thomas, wann hast Du endlich mal Zeit für uns?“ Die Stimme seiner Frau Veronika  zeigte ihm deutlich, dass das eigentlich keine Frage sondern eine dringende Bitte war. „Gleich, ich muss nur noch ein paar Emails schreiben, bring doch schon mal die Kinder ins Bett“. Seine Stimme klang angespannt. Er wollte sich ja Zeit nehmen, aber sein Chef erwartete, doch so viel von ihm. Seine Frau schaute ihn traurig an. War es nicht unser gemeinsames Ziel, die Familie vor den Job zu stellen… Und hinterher kräht der Hahn.

Gut, dann machen wir den Brunch um 10:00 Uhr? fragt Sabine mit einem auffordernden Lächeln. Kerstin stimmt zu. Carola nickt, auch wenn sie eigentlich an diesem Sonntag gern in die Kirche gehen würde. Neuerdings tut ihr das so gut. Aber vor ihren Freundinnen wollte sie das nicht sagen. Die fänden das bestimmt nicht gut. Voll altmodisch. Als fromme Tante, wollte sie nicht abgestempelt werden. Da verzichtete sie lieber… Und hinterher kräht der Hahn.

Die Geschichte von Petrus, ist eine Geschichte von uns. Der Hahn, der Petrus mit seinem Krähen auf sein inkonsequentes Verhalten aufmerksam macht, kräht auch immer mal wieder in unserem Leben. Darum steht er auch heute noch auf so vielen Kirchtürmen. Er mahnt uns zum Mut, für unsere Überzeugung und unseren Glauben einzutreten. Das kann jeder Mensch brauchen!

 

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