Jetzt, wenn sich das Laub der Bäume in ein fröhliches Gelb-Orange verfärbt und sich immer mehr bunte Blätter auf den Wegen sammeln – so, als ob sie jemand absichtlich dort hingelegt hätte, um die Wege in den kürzer werdenden Tagen leuchten zu lassen – gerade jetzt mache ich gerne öfter einen Spaziergang über unseren Friedhof. Besonders am Morgen oder Abend, wenn an manchen Tagen der Nebel über Wiesen und Wegen liegt und sich nur dann und wann ein Mensch hier verirrt. In diesen Stunden spürt man etwas von der besonderen Stimmung, die man so vielleicht nur auf einem Friedhof findet. Die Grabsteine sprechen von gelebtem Leben. Von zurückgelegten Lebenswegen. Ein frischer Grabhügel zeigt an, dass hier erst vor kurzem ein Lebensweg geendet hat. Die Blumen vor den Gräbern weisen auf Trauer hin, die Menschen über den Verlust des Opas, der Mutter oder gar eines Kindes empfinden. Auf dem Friedhof enden Lebenswege. Aber wenn man dort genau hinschaut, dann kann man erkennen, dass der Friedhof keine Endstation sein soll, sondern eine Zwischenstation auf unserer Reise. Mancher Grabstein zeigt etwas von der Hoffnung auf Auferstehung der dort begrabenen Person. Schon die ersten Christen glaubten fest daran, dass sie wie Jesus einst von den Toten auferweckt würden. So wie er es ihnen vor seinem Tod versprochen hatte. Auch Paulus sagte: „Das Leben, das hier auf der Erde gesät wird, ist vergänglich. Aber das Leben, zu dem wir auferweckt werden, ist unvergänglich. Gesät wird ein natürlicher Leib. Auferweckt wird ein vom Geist Gottes neu geschaffener Leib“ (1. Korintherbrief 15,42.44). Der Tod ist nicht das Ende von allem. Er ist das Ende unseres Körpers und unseres Lebens hier in dieser Welt. Aber das Leben geht weiter, auf neue Weise mit einem neuen unvergänglichen Leib. Und darum können wir auch darauf hoffen, dass wir nach unserem Tod auch denen wieder begegnen können, deren irdisches Leben schon vollendet ist. Der Friedhof ist keine Endstation, er ist ein Zwischenhalt. Sozusagen ein Umsteigebahnhof von unserem vergänglichen in einen unvergänglichen Leib. Diese Hoffnung hatten die ersten Christen und auch heute trägt sie viele von uns durchs Leben. Erst vor ein paar Wochen kam ich durch Zufall an einem Grabstein vorbei. Auf ihm zwei schlichte Worte, die die Hoffnung auf Auferstehung deutlicher ausdrücken können als jeder lange Satz. Auf dem Grabstein stand: „Auf Wiedersehen!“ Darauf will ich hoffen!

 

Andacht für den Gemeindebrief Oktober / November 2017.

 

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