Zunächst einmal einen herzlichen Glückwunsch!

Ganz einfach aus dem Grund, weil Sie heute hier sind und sich nicht auf den Weg in ein entferntes Urlaubsziel gemacht haben. Denn das wäre unseren Zeitungen und Nachrichten zufolge bereits am vergangenen Wochenende ein großes Wagnis gewesen. Ich zitiere einmal die meistgelesene Zeitung in Deutschland, die Bild-Zeitung vom 12. Juli: „Eines der schlimmsten Reisewochenenden! Jetzt geht es erst richtig los! An den vergangenen Wochenenden war es schon voll auf den Straßen, mit dem Ferienstart im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen kommen noch einige Millionen Urlaubshungrige auf den Straßen hinzu. Die Folge: Megastaus! Autofahrern steht laut ADAC eines der schlimmsten Reisewochenenden des Jahres bevor.“ Da hat man doch Lust, in den Urlaub zu starten! Und die anderen Zeitungen machen einem nicht mehr Hoffnung… 

So schreibt die Hamburger Morgenpost: „Achtung Autofahrer, auf Hamburg rollt eine Stauwelle zu.“ Der Focus titelt: „Stau-Wochenende im Anmarsch: Auf vier Routen droht eine Blechlawine.“ Die Volksstimme lässt gleich ganz Sachsen-Anhalt direkt in den Stau starten. Und der ADAC weist seine Mitglieder daraufhin, dass die Fahrt durch das „benachbarte Ausland […] ebenfalls zeitweise zur Tortur“ werden wird. Und wer dann erst einmal die Zeitung aus der Hand legt, um diese entmutigenden Stauprognosen möglichst wegzuschieben, der wird dann von den Reiseberichten der  Kolleginnen und Kollegen schnell wieder an die überfüllten Autobahnen und Flughäfen erinnert. Und wer jetzt denkt, dann nehme ich doch einfach die Bahn und fahre entspannt in den Urlaub, dem nimmt das Göttinger Tageblatt auch diesen letzten Hoffnungsschimmer. Denn dort wird bekanntgegeben, dass natürlich auch die Bahn mit vollsten Zügen rechnet. „Wie schon an den reisestarken Feiertagswochenenden im letzten Monat gilt auch für das kommende: Alles, was rollen kann, rollt“, so eine Bahnsprecherin. Eine Sitzplatzreservierung wird dringend empfohlen! In Anbetracht dieser geradezu aussichtslosen Lage bemühen sich Nachrichten, Zeitungen, Webseiten etc. nach irgendeinem möglichen Ausweg zu suchen. „Auswege aus dem Stau“ titelte der ADAC bereits vor einigen Jahren auf seinem Mitgliedermagazin. Und die Zeitung Die Welt suchte bereits in den vergangenen Jahren nach Tricks, mit denen „rappelvolle Züge“ umgangen werden können. Und doch beginnt die nächste Urlaubssaison dann wieder verlässlich mit diesen entmutigenden Nachrichten vom Stau, überfüllten Zügen und Flughäfen. Getreu dem Motto: Stellen Sie sich schon einmal darauf ein, dass es schlimm werden wird und zwar so richtig schlimm, oder bleiben Sie am besten gleich ganz zu Hause. 

Wie schön! Da freut man sich doch auf seinen Urlaub, auf diese wohlverdienten freien Tage im Jahr. Da wird die Sorge vor dem Mega-Stau schon Tage und teilweise Wochen vor dem Urlaubsstart entfacht. Und auf der Fahrt fürchtet man jederzeit reihenweise an den Fahrzeugen vor sich die Warnblinker aufleuchten zu sehen. Wie eine sich erfüllende Prophezeiung. Jetzt ist es passiert! Stau! Mega-Stau! Der Urlaub, das Urlaubsgefühl, die Vorfreude, all’ das rückt in den Hintergrund. Stau – liebe Gemeinde – ist vielleicht das deutsche Paradebeispiel für Entmutigung. Nichts scheinen wir Deutschen mehr zu fürchten. Und unsere Medien? Die greifen dieses Gefühl auf. Diese Angst vor dem Stau, so dass wir schon im Vorfeld in dieser Befürchtung, in dem anstehenden Elend baden können. Das Resultat von alledem ist Entmutigung. Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation: Warum tut eigentlich niemand was dagegen, dass es jeden Sommer so voll wird auf den Straßen…! 

Natürlich gibt es dann doch auch für uns Deutsche noch dringendere Probleme als Stau auf dem Weg in den Urlaub. Und tatsächliche nicht wenige, denn das Leben hält ja für jede und jeden Klippen bereit. die es zu überwinden gilt. Hohe und weniger hohe. Aber ich finde, die jährlichen Stauprognosen sind ein gutes Beispiel, wie wir uns selbst und wie wir uns als Gesellschaft gegenseitig entmutigen können. Um dann im schlimmsten Falle mit einer unzufriedenen Grundstimmung durchs Leben zu gehen. Völlig entmutigt zu sein. Traurig, lustlos oder ängstlich in die Zukunft zu blicken. Wer entmutigt ist, der verliert allen Lebensmut, jede Lebensenergie.  Der bzw. die schlurft nur noch auf seinem Lebensweg müde vorwärts, anstatt frisch und froh voranzuschreiten.

Entmutigt waren auch die Fischer, denen Jesus am See Genezareth damals begegnete. Nichts hatten sie in der Nacht gefangen, trotz harter Arbeit. Und nun saßen sie tagsüber entmutigt am Ufer und reinigten ihre Netze. Was hätten unsere Zeitungen in Anbetracht dieser Lage wohl geschrieben? Vielleicht: „So leer waren die Netze noch nie. Auch in der kommenden Nacht ist mit vergeblicher Arbeit zu rechnen.“ Wer hätte da noch Lust, rauszufahren und einen Finger krumm zu machen. Die Fischer damals nicht. Und dann kommt dieser Jesus vorbei und fordert einen der Fischer auf: „Fahre hinaus wo es tief ist, um zu fischen!“ Was für ein Irrsinn für die Fischer, jetzt am Tag rausfahren und das bei der schlechten Ausbeute der Nacht. Aber dennoch fuhren sie hinaus. Vielleicht, weil sie Jesus und seine Worte, die sie zuvor gehörten hatten, schätzten. Und vielleicht, weil dieser Jesus so selbstsicher wirkte. Wie jemand, der mit dem Leben umzugehen wusste. Der fest daran glaubte und darauf vertraute, dass dieses Leben ein Geschenk war, von einer göttlichen Kraft, die es gut mit uns Menschen meint und die einem nicht in Stich lassen würde. Und tatsächlich, so erzählte es die Geschichte, das Vertrauen wurde belohnt! Sie machten einen großen Fang. Das Beeindruckende an dieser Geschichte ist, wie ich finde, aber nicht das vermeintliche Wunder, das da geschieht, sondern dass Menschen trotz verlorenen Mutes aufbrechen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Eben weil ihnen jemand dabei hilft, wieder auf das Leben und auf den Grund dieses Lebens zu vertrauen. Dieses Vertrauen setzt Kräfte frei und hilft dabei, sich nicht entmutigen zu lassen.

Ein entmutigter Mensch fürchtet sich vor dem nächsten Morgen, weil er kein Licht am Horizont erkennen kann. Und wer den Morgen nicht mehr ertragen kann, der wagt auch nicht mehr, mutig auf seinem Lebensweg voranzuschreiten. Wem es so ergeht, der steckt wahrhaftig im Stau. In einem Lebensstau, auf dem es nur noch stückweise vorangeht. 

Dabei liegt das Leben jedes Menschen am Anfang doch wie eine frisch gebaute und noch ganz unbefahrene Autobahn vor einem. Jedes Kind befindet sich in den ersten Monaten seines Lebens sozusagen im Beschleunigungsvorgang. Noch werden die ersten Gänge befahren, um hoffentlich bald im höchsten Gang gleichmäßig auf der Lebensbahn dahinzugleiten. Mal mit mehr Energieaufwand, wenn es bergauf geht, mal ohne große Mühen, wenn das Terrain eben da liegt und es leicht voran geht. Immer mehr andere Menschen kreuzen dabei unseren Weg, fahren ein Stück mit uns und nehmen dann wieder die Ausfahrt, um einen anderen Weg einzuschlagen. Andere begleiten uns unser Leben lang. Es kommen Zeiten in denen der Verkehr stockt und vielleicht auch mal ein Stau entsteht. Es werden Herausforderungen kommen. Auseinandersetzungen mit anderen Kindern in der Kita, ungeliebte Fächer in der Schule, erster Liebeskummer, die Suche nach der eigenen Identität, nach dem passenden Beruf, Neuorientierung im Ruhestand und vieles anderes. Stau, in dem wir alle schon einmal auf die ein oder andere Weise gesteckt haben. Dann wird es wichtig, in ihrem Leben nicht den Mut zu verlieren, weil die Sorge vor dem nächsten Stau schon in ihr aufsteigt. Sondern mutig und lebensfroh weiterzumachen, durch den Stau hindurchzukommen oder einen anderen Weg zu nehmen, wenn es auf dem zuerst ausgewählten Weg nicht mehr weiter geht. 

Doch wie schafft man das?, mag man sich fragen, schließlich hat ja noch nicht mal der ADAC bis heute einen Ausweg aus den vorhergesagten Urlaubsstaus gefunden. Wie soll man dann einen Ausweg aus den persönlichen Lebens-Staus finden?

Zudem scheint es heute mehr entmutigte Menschen in unserem Land zu geben, als je zuvor. Darauf weisen einerseits die politischen Entwicklungen in unserem Land und in Europa deutlich hin. Und auch andere Zahlen machen deutlich, dass viele Menschen entmutigt sind: Die Anzahl an Menschen, die in Deutschland an einer Depression leiden, ist zwischen 2000 und 2013 um ganze 70 % gestiegen. Knapp jeder bzw. jede 10. Deutsche leidet an einer depressiven Erkrankung. Es muss also etwas geschehen gegen die Entmutigung! Es braucht etwas und jemanden, der uns Menschen Mut macht, dann wenn es sich schon wieder auf unserem Lebensweg staut. Davon ist auch Jesus schon vor knapp 2000 Jahren überzeugt. Als er durch die Dörfer und Städte seines Landes zieht und den Menschen dort begegnet. Das Matthäusevangelium berichtet:

36 Jesus sah die große Volksmenge und bekam Mitleid mit den Menschen. Denn sie waren erschöpft und hilflos – wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Deshalb sagte er zu seinen Jüngern: »Hier ist eine große Ernte, aber es gibt nur wenige Erntearbeiter. 38 Bittet also den Herrn dieser Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt!« (Matthäusevangelium Kapitel 9,36-38)

Jesus hat Mitleid mit den entmutigten Menschen um ihn herum. Er sieht, dass es Mutmacher für diese Menschen braucht. Erntehelfer. Menschen, die entmutigten Menschen dabei helfen, die Früchte des Lebens einzusammeln, die ihnen dabei helfen, das Leben als Geschenk zu sehen. Als ein gut gemeintes Geschenk. Menschen, die ihnen helfen, mit diesem Blick auf das Leben einen Ausweg aus ihrem persönlichen Lebensstau zu finden. So wie Jesus es selbst bei den Fischern tat, als er sie, mutlos, wie sie waren, zum Fischen rausschickte. Jeder Mensch kommt in seinem Leben an Stellen, an denen er so einen Mutmacher braucht, der einen diesen dankbaren, fröhlichen und vertrauensvollen Blick auf das Leben, eben einen christlichen Blick auf das Leben nahebringt! Damit man wieder fröhlich und mit einem festen Vertrauen ins Leben und in Gott seinen Lebensweg bestreiten und damit wiederum für andere zum Mutmacher werden kann. Denn das ist es, was das christliches Leben ausmacht, dass es fest gegründet ist auf dem Vertrauen, dass diese Welt und das eigene Leben auf einen Gott zurückgeht, der es gut mit uns meint! Auf diesem festen Grund zu stehen, nimmt Angst auch vor schwierigeren Abschnitten auf dem eigenen Lebensweg und lässt einem zum Mutmacher für all’ diejenigen werden, die gerade in ihrem Leben im Stau stecken. Christinnen und Christen sind ein Zeichen gegen Entmutigung. Sie sind Mutmacher und tun dieser Welt gut, weil sie ihr Leben mutig und fröhlich leben und andere Menschen damit wieder in Bewegung bringen, wenn sie in ihrem Leben feststecken und nicht mehr weiter wissen. Christinnen und Christen nehmen Fahrt auf in ihrem Leben und sorgen für freie Straßen. Sie bieten mit ihrem Glauben an Gott einen Ausweg aus dem Stau. In diesem Sinne wünsche ich uns allen: 

Gute Fahrt und Amen!

 

 

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