Drew Baylor – ist ein junger Mann, von dem man sagen könnte: Der hat es geschafft. Noch jung an Jahren und mit gut erkennbarer Attraktivität ausgestattet, hat er sich hochgearbeitet. Hatte die Chancen ergriffen, die sich in seiner Firma boten und war zum Nachwuchsdesigner eines großen Sportschuhherstellers geworden. Mit viel Anerkennung, einem guten Gehalt und Aussichten für die Zukunft. Durch die Entwicklung eines neuen Modells sollte er nun sein großes Talent beweisen und die Absatzzahlen seiner Firma weiter in die Höhe treiben. Viel Zeit investierte er dafür, sehr viel Zeit. Seine Schwester, seine Eltern bekamen ihn selbst an den Feiertagen nicht mehr zu Gesicht. Aber sie waren stolz auf ihn, auf seine Leistung und Anerkennung. 

Und nicht nur sie. Auch Ellen verehrte Drew für seine Zielstrebigkeit und sie schätzte sein gutes Aussehen. Sie hatten sich in der Firma kennengelernt, waren sich näher gekommen und führten eine lockere Beziehung. Für mehr hatte Drew weder Zeit noch Interesse. Jeder wohnte in seiner Wohnung. Es gab keine großen Verbindlichkeiten. Nur Spaß, wenn es für beide gerade passte. Drew führte das scheinbare Bilderbuchleben eines modernen Mannes am Anfang des 21. Jahrhunderts. Und er führte es gerne beziehungsweise er dachte gar nicht über eine Alternative nach. Jede freie Minute steckte er da hinein, seinen Erfolg weiter auszubauen. Dieses neue Schuhmodell zu entwickeln, dass ihm weiteren Türen für eine noch erfolgreichere Designerkarriere öffnen würde. 

Doch dann… geschah genau das Gegenteil. Das neue Modell wurde von den Kritikern verrissen, die Absatzzahlen fielen ein, seine Firma machte einen gewaltigen Verlust. Drews Hals fühlte sich an wie zugeschnürt, als er an diesem einen Tag darauf wartet, dass sich die Türen zum Zimmer des Konzernchefs öffnen würden. Und dann tun sie es. Die beiden reden miteinander. Sein Chef erzählt von Hoffnung und Enttäuschung, von Talent und Geld, sehr viel Geld. Er spricht von einem großen Schaden und von Schuld und davon, wer Verantwortung dafür übernehmen würde. Er, Drew, der alle Erwartungen so enttäuscht hätte. Er, der Schuldige für alles, zum Wohle der Firma. Etwas Gutes, das er, Drew jetzt noch tun könnte. Dann schließen sich hinter Drew die schweren Bürotüren seines Chefs, mitsamt allen Zielen, Lebenshinhalten, mit aller Freiheit und Hoffnung. Drew ist am Ende. Am Ende seiner Karriere, obwohl sie doch gerade erst beginnen sollte, am Ende aller Ziele, am Ende aller Hoffnung. Sein Leben endet für ihn an diesem Tag. Denn alles, was sein Leben ausmachte, lag nun unter den Sohlen eines unerfolgreichen Schuhmodells begraben, mit dem Druck der Enttäuschung und des Hasses einer ganzen Firma. Nicht lange dauert es, da teilt ihm seine Freundin Ellen mit, dass es eine schöne Zeit gewesen sei, aber nun sei sie vorbei. Sie wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Aus und vorbei. Am Telefon mitgeteilt. Alles gute für die Zukunft. Aber eine Zukunft gab es für Drew nicht mehr. 

Am Abend entschließt er sich, all seinen Besitz auf die Straße zu stellen und sich auf seinem Heimtrainer mit einem Messer das Leben zu nehmen. Beim Abstrampeln auf der Strecke geblieben. Das gäbe doch so vortrefflich wieder, wie sein Leben gelaufen war. Doch während Drew schon auf dem Heimtrainer sitzt, klingelt plötzlich sein Handy und reisst ihn aus den vermeintlich letzten Takten seines Lebens heraus. Es ist seine Schwester. Noch völlig unwissend über Drews Schicksal teilt sie ihrem Bruder mit, dass unerwartet ihr Vater auf einer Reise in seinem Heimatort Elizabethtown gestorben sei. Drew erhält von seiner Familie den Auftrag den Leichnam des Vaters aus Elizabethtown für die Bestattung zurückzuholen. Da steigt Drew von seinem Heimtrainer und macht sich auf den Weg nach Elizabethtown. Entschlossen, dass dieses das letzte wäre, was er in seinem Leben noch tun würde. Denn nach der Bestattung seines Vaters würde er seinem Leben ein Ende setzen, so viel stand fest! 

Keinen Appetit hat Drew mehr auf sein Leben. Ein Mensch, in jungen Jahren, lebenssatt. Das ist der Ausgangspunkt des Films Elizabethtown, der bereits im letzten Jahrzehnt in unseren Kinos lief. Ein junger Mann, der durch die Umstände jeden Elan verliert, jeden Appetit und keinen Hunger mehr auf das Leben verspürt. Und der nun ausgerechnet durch die Begegnung mit dem Tod wieder Hunger auf das Leben bekommen wird. 

Daran nicht ganz unbeteiligt ist eine junge Frau namens Claire, der Drew bereits im Flugzeug nach Elizabethtown begegnet. Die in jenem Flugzeug als Flugbegleiterin arbeitet und Drew sofort mit übersprudelnder Lebensenergie in ein Gespräch verwickelt und diesem auf geschickte Art ihre Telefonnummer hinterlässt. Es ist diese Nummer, die Drew einen Abend später wählt, nachdem er in Elizabethtown angekommen ist; einfach, um sich mit irgendjemanden zu unterhalten. Denn die Begegnung mit seinem toten Vater und den Verwandten seines Heimatortes versetzt Drew wieder zurück in seine Kindheit, in Momente mit seinem Vater. Plötzlich hatte er wieder Seiten des Lebens vor Augen, die ihm als Kind schön und wichtig waren und die er schon lange nicht mehr gekannt hatte. Doch Drew wollte das nicht an sich heranlassen. Schließlich waren das Erfahrungen seiner Kindheit. Sie hatten nichts zu tun mit dem harten und kalten Leben, nichts mit seinem Versagen und Scheitern bei einem Weltkonzern. Und doch ziehen ihn diese Erfahrungen seiner Kindheit immer wieder in den Bann. Das gemeinsame Ballspielen mit dem Vater, der gemeinsame Ausflug mit dem Vater im Auto. Die noch heile Welt im alten Elizabethtown. Das schlichte und gleichzeitig so herzliche Mitgefühl der Verwandten und Bewohner des Städtchen. Und diese Frau, die nun am anderen Ende des Telefons mit ihm begann, über Gott und die Welt zu sprechen. Die ihm von ihrer Sicht auf das Leben erzählt. Von einer großen Lust am Leben. Von wichtigen und weniger wichtigem. Vom Zusammenhang dieser Welt, von Trauern und dem Besonderen, das jeder Mensch bedeutet. Claire, mit ihrer Lust über das Leben nachzudenken und zu philosophieren und sich an dem zu freuen, was ihr das Leben schenkt. Gemeinsam treffen sie sich, um sich an einem wunderschönen roten Sonnenaufgang zu erfreuen. Und zusammen beginnen sie die Trauerfeier für Drews Vater vorzubereiten. Suchen gemeinsam eine Urne aus und besuchen den Friedhof. Es sind diese Orte und diese Menschen, durch die Drew den wirklich wichtigen Dingen des Lebens begegnet und durch die Drew allmählich wieder Hunger aufs Lebens verspürt. Nicht nur, weil er sich in die junge Frau verliebt, die ihm so lebensfroh und aufopferungsvoll zur Seite steht, sondern weil er insgesamt um sich herum so viel Leidenschaft am Leben wahrnimmt. 

Leidenschaft für’s Leben mit anderen zu teilen, ist wie Brot zum Leben. Mit anderen über das Leben nachzudenken, über Probleme, über Sehnsucht und die Zukunft und mit ihnen nachzuspüren, was das Leben, was Gott alles für einen bereit hält. Das ist Brot zum Leben. 

Johannes berichtet in seinem Evangelium, wie die Menschen nach Jesus auf die Suche gingen, nachdem dieser sie auf so wunderbare Weise mit Brot versorgt hatte und am nächsten Tag verschwunden war. Sie fanden ihn auf der anderen Seite des Sees und wünschten sich mehr von ihm zu erfahren. Da machte Jesus ihnen deutlich, dass das Eigentliche, was er zu geben hat, nicht Brot ist, das den Magen sättigt, sondern Brot, 

das die Seele satt macht. Denn das ist es, was wir Menschen brauchen! Immer wieder. Brot das die Seele satt macht. Wenn die Seele nach Zufriedenheit und Ausgewogenheit hungert, nach Ruhe und Glück, nach Liebe, Gerechtigkeit und Frieden. Oder wenn sie im schlimmsten Falle nicht einmal mehr hungert, sondern ihr Hungergefühl gar nicht mehr spürt. Und wer diesen Hunger, wie Drew nicht mehr spürt, der droht sein Leben zu verlieren. Darum ist es gut und wichtig, dass wir in unserem Leben Brot angeboten bekommen, das uns Appetit und Hunger macht und das diesen dann sogar wohlig stillt. Damit wir unter der Sehnsucht nicht zu leiden haben. Es ist Jesus, der seinen Anhänger verspricht, für sie so ein Brot zu sein. Er sagt: 

„Ich bin das Brot des Lebens.
Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.
Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ 

(Johannesevangelium 6,35)

Ein Brot für alle Lebenslagen, das ist Jesus. Ein Brot, das die Seele nährt und Appetit macht zu leben. Und es sind seine Anhänger, die Christinnen und Christen, die sich ebenfalls auf den Weg machen, anderen Appetit zu machen und ihnen dieses Brot des Lebens anzubieten, in ihrer jeweiligen Lebenslage. Sie verteilen Brot des Lebens an die Menschen, die es gerade brauchen. Sie sind Brot des Lebens für Menschen, die es gerade brauchen. 

So ergeht es auch Drew, der – Zitat aus dem Film – in Elizabethtown „auf einen Wirbelsturm der Liebe“ trifft. Auf Lebenslust, Lebensbegleitung und Lebensfreude. Und so bricht Drew nach der Trauerfeier aus Elizabethtown auf, gut ausgestattet mit reichlich Brot des Lebens, um mit der Urne seines Vaters zurückzukehren; allerdings nicht zu seinem Heimtrainer, sondern zu einem neuen Leben an der Seite der lebenshungrigen Claire. 

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